Hydrierwerk Moosbierbaum

 

 

Geschichte

In Moosbierbaum (westlich von Tulln) befand sich eine bedeutende Treibstoffproduktionsstätte für Flugbenzin. In den Anlagen wurde aus schlechtem rumänischem Treibstoff mittels "Hydroforming Process" hochoktaniger Flugzeugbenzin erzeugt, d.h. unter hohem Druck wurde unter Zusatz von Aromaten das Benzin verbessert.


Foto: www.461st.org
Luftangriff auf Hydrierwerk am 14. Februar 1945


Foto: www.461st.org
Luftangriff auf Hydrierwerk am 1. März 1945


Foto: www.461st.org
Luftangriff auf Hydrierwerk am 16. März 1945

Die Betriebsanlagen befanden sich nördlich des Ortes Moosbierbaum, auf halber Strecke zur Donau. Markant waren vor allem die beiden 60m hohen Schornsteine, die aus der Zeit zwischen 1916 und 1938 stammten. Sie gehörten ursprünglich zu einer großen Chemieanlage zur Produktion von Schwefelsäure, Phosphorsäure, Salzsäure, Bleicherde, Kartoffelstärke u.v.a.m. Im 2. Weltkrieg waren die Schornsteine integrierte Bestandteile der notwendigen Kraftzentralen wie Dampf-, Warmwasser- und Energieerzeugung. Diese Anlagen wurden bis 1945 betrieben.

Gegen Ende des 2. Weltkrieges stieg die Bedeutung der Anlage in Moosbierbaum durch den Wegfall wichtiger anderer Treibstoffproduzenten des 3. Reiches.

So gab es schließlich 16 Bombenalarme und 12 oder 13 Bombenangriffe. Alleine am 1. Februar 1945 gingen 1200 Bomben auf das Werk nieder. Dies führte natürlich zu erheblichen Produktionsausfällen, was sich auch dramatisch auf die Treibstoffversorgung der deutschen Luftwaffe in den letzten Kriegsmonaten auswirkte.

Die Anlagen in Moosbierbaum waren durch starke Flakeinheiten (vor allem 8,8cm Flak) geschützt. Bei den Kämpfen um das Tullnerfeld in den letzten Kriegstagen wurden die Flakeinheiten ins sogen. Korps Schultz (Teil der 6. SS Pz.Armee) eingegegliedert und beteiligen sich so verhältnismäßig erfolgreich an den Bodenkämpfen.

 

Foto: Josef B. © 2000

Herbst 1972: die Ruinen der Treibstofferzeugung bei Moosbierbaum

 

Foto: Josef B. © 2000

Anhand der Schornsteine am Horizont ist die riesige Ausdehnung des Werkes noch gut zu erkennen

 

Die Anlage nach 1945:

 

Nach Kriegsende wurde das Werk von den Sowjets übernommen und schrittweise abgebaut (sprich: demoliert). In dieser Zeit wurde in den Anlagen Erdöl aus Zistersdorf raffiniert, was ein Teil der Reparationszahlungen war. Es entstand damals die Sowjetische Mineralölverwaltung, die 1955 in die ÖMV umgewandelt wurde. 1960 bekam der ursprüngliche Besitzer (die Donau Chemie AG) sein Eigentum (eben das Areal Moosbierbaum) wieder zurück und die ÖMV wanderte nach Schwechat ab. Die Fabriksanlage wurde vor der Übergabe so demoliert, daß sie nicht weiter verwendbar war. Die Donau Chemie AG baute daher in unmittelbarer Nähe (Pischelsdorf) eine neue chemische Industriestätte auf (Erzeugung von Schwefelsäure, Düngemittel, Gipsplatten, Latex u.ä.). Ein Teil der Moosbierbaumer Anlage (Gesamtgröße ca. 450 ha) wurde an die Betreiber des Kraftwerkes Dürnrohr verkauft. Auf dem übrigen Gelände entsteht momentan ein Golfplatz.

 

Foto: Schmitzberger © 2000

Das Gebiet der Hydrieranlage heute: teilweise überbaut durch das Wärmekraftwerk Dürnrohr. Bis auf einige Flakstellungen in der Umgebung ist nichts erhalten.

 

Falls Du weitere Informationen zur Anlage Moosbierbaum hast, schick sie doch bitte per Mail an Herrn Richter.

Falls Du Fragen oder Anmerkungen hast, schreib sie bitte einfach ins Forum!

 

Markus Schmitzberger und Richard Richter

 

 

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